Tipps und Wissenswertes rund um den Partner Hund

Hund alleine lassen

Ihr Welpe ist noch sehr abhängig von Ihnen. Er braucht Ihre Zuneigung, Ihr Lob und Ihre Gesellschaft. Während des vierten Monats wird er unter Umständen noch anhänglicher und beobachtet jeden Ihrer Schritte. Er folgt Ihnen bei jeder Gelegenheit dicht auf den Fersen. Wenn Sie kein anderes Haustier haben, kommt seine Abhängigkeit noch stärker zum Ausdruck, und er hat möglicherweise grosse Schwierigkeiten, Sie aus seinem Gesichtskreis verschwinden zu lassen. Spätestens jetzt müssen Sie ihm beibringen, die Abwesenheit von Menschen zu ertragen, sonst werden Sie später grosse Mühe haben. Es kommt darauf an, den Hund wissen zu lassen, dass Sie mit Sicherheit zurückkommen, wenn Sie weggehen und ihn alleine lassen. Ebenso ergeht es uns mit bereits erwachsenen Tieren, die grosse Verlassensängste haben. Versuchen Sie hier das alleine lassen doch erst einmal in der Wohnung.

Schliessen Sie einfach mal die Türen hinter sich oder bringen ein Kinder-Sicherheitsgitter zwischen dem Türrahmen an. So kann er Sie hören, aber Sie eben nicht verfolgen. Machen Sie kein Aufhebens um eine geschlossene Tür. Wenn Sie den Hund nach einigen Minuten wieder rauslassen wollen, so gehen Sie einfach in das Zimmer und tun sie so, als müssten Sie dort etwas erledigen. Den Hund bemerken Sie hierbei gar nicht.

Sie müssen ihn in mehreren Schritten entsprechend konditionieren, das heisst, daran gewöhnen, ruhig zu bleiben und sich still zu verhalten, auch wenn er von seiner Menschenfamilie (dem "Rudel") getrennt ist. Dies fängt man ganz langsam an, indem man ihn mal kurz innerhalb der Wohnung alleine lässt, um z.B. mal in den Keller zu gehen. Machen Sie es, wenn er sowieso vom Spielen oder Spazierengehen müde ist. Man sollte zwar den Hund mitnehmen, wann immer es möglich ist, um ihn an alle Arten von Situationen zu gewöhnen, aber Sie werden einmal damit beginnen müssen, ihn für kurze Zeit alleine im Haus zurückzulassen. Sie sollten dies auch tun, wenn Sie nichts Bestimmtes vorhaben. Gehen Sie einmal zur nächsten Strassenkreuzung oder fahren Sie zum Postamt oder tun Sie sonst irgendetwas, aber tun Sie es regelmässig. Führen Sie auch jedes Mal dieselben Routinehandlungen durch, auch wenn Sie nur für zehn Minuten das Haus verlassen. Schliessen Sie die Fenster oder Türen, schalten Sie das Licht aus, gehen Sie zur Garderobe, nehmen Sie sich einen Mantel oder Jacke, stecken Sie die Autoschlüssel ein, und nehmen Sie Ihre Handtasche, Ihre Mappe oder sonst etwas - eben das, was Sie normalerweise mitnehmen würden, wenn Sie mehrere Stunden fort gingen. Ihr Hund wird schnell lernen, die Anzeichen dafür zu erkennen, dass Sie das Haus verlassen wollen, auch wenn Sie sich je nach Jahres- oder Tageszeit etwas anders darauf vorbereiten.

Überlegen Sie sich also, was Sie normalerweise bei Abwesenheit von einigen Stunden tun würden. Versuchen Sie, alle Handlungsabläufe und Handgriffe zumindest für einige Wochen gewissenhaft zu wiederholen, bis Sie merken, dass Ihr Hund bereit ist, Ihr Fortgehen zu akzeptieren. Falls Sie ihn bis jetzt regelmässig mitgenommen haben, kann er in Aufregung geraten, wenn Sie Ihre Vorbereitungen zum Fortgehen treffen. Richten Sie vielleicht deshalb in der Routine des Aufbruchs einige Worte an ihn, zum Beispiel "Nein, du kommst nicht mit!" oder einfach "Nein". Es schadet nichts, wenn Sie sich von dem Welpen verabschieden, aber machen Sie das Tier nicht glauben, Ihr Fortgehen sei ein grosses Ereignis. Es genügt, wenn Sie einfach sagen: "Sei ein braver Hund!" oder "Bis bald!". Es ist wichtig, dass Sie tatsächlich weggehen. Glauben Sie nicht, Ihr Hund merkt es nicht, wenn Sie sich nur in die Garage oder den Garten begeben. Er wird Ihre Nähe spüren und vielleicht glauben, dass er Sie durch sein Bellen oder Winseln zurückholen kann.

Es ist eine veraltete Ansicht, nach der es sinnvoll sein soll, draussen vor der Türe zu warten, um zu sehen, was passiert, und dann schnell zurückzugehen, um den Hund zu bestrafen, falls er bellt. Das ist eine "negative Bestärkung". Alles, was Sie damit erreichen ist nur, ihn für sein Bellen mit Ihrer Rückkehr zu belohnen. Weil es ihm vor allem um Ihre Zuneigung geht, wird er sich nicht einmal viel aus Ihrem Schimpfen machen! Hauptsache Sie sind wieder da! Wenn Sie zurückkommen, auch wenn Sie nur 10 Minuten fort waren, begrüssen Sie Ihren Hund nicht zu überschwänglich! Lassen Sie junge Hunde ggf. sofort hinaus, bis sie Gelegenheit hatten, sich zu erleichtern. Es könnte sonst sein (gerade bei jungen Hunden/Welpen), dass sie vor lauter Aufregung urinieren.

Begrüssen Sie ihn immer fröhlich, aber nicht zu extrem, bevor Sie sich mit irgendwelchen Problemen abgeben, die zwischenzeitlich entstanden sind. Ihr Heimkommen sollte immer ein freudiges Ereignis für den Hund sein. Auch dann, wenn er etwas zerstört hat. Er könnte eine Bestrafung nicht mehr mit seiner Tat in Verbindung bringen. Damit es also auch für Sie immer ein freudiges Ereignis ist, räumen Sie besser vorher alles ausser Reichweite, was er zerstören könnte. Manche Hunde neigen zur Zerstörungswut, die aus der Angst vor dem Alleinsein oder aus Langeweile erfolgt. Beim Zerbeissen und Zerstören bekommt er seine Angst in den Griff, und langweilig ist es ihm dann auch nicht mehr. Dies gibt sich im Laufe der Zeit jedoch. Versuchen Sie es doch auch mal mit einem Kauknochen.

Manche Hunde fühlen sich auch besser, wenn sie nicht die ganze Wohnung zur Verfügung haben. Lassen Sie Ihren Hund ruhig einmal nur in einem Zimmer und richten Sie dieses hundegerecht ein. Auch eine Hundebox, an die der Hund gewöhnt wurde, kann hier Abhilfe schaffen.

Probieren Sie dies ruhig mal aus.

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letzte Änderung: 14.02.2008 © 2007-2017 Michael Gerhards und HSG Kaarst e.V.
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